Du suchst neues Geschirr für deine Küche und hättest gerne etwas Einzigartiges, vielleicht nicht das klassische weiße Porzellan?
Ist Steingut-Geschirr vielleicht das Richtige für dich?
Steingut ist „minderwertig“
Als gelernte Keramikerin habe ich dazu eine klare Meinung: Alltagstaugliches Geschirr sollte meiner Meinung nach
- spülmaschinenfest
- mikrowellengeeignet
- langlebig
- robust
- hygienisch
sein. All das ist Steingut leider nicht.
Was ist denn eigentlich Steingut?
Es handelt sich um eine Unterkategorie von Keramik, die aufgrund der niederen Brenntemperatur nicht komplett wasserdicht ist. Allein durch die Glasur ist das Geschirr in der Lage, Flüssigkeiten zu halten.
Das Problem: Der Boden muss unglasiert bleiben, da das Geschirr ja sonst im Brennofen festschmelzen würde. Durch diesen unglasierten Bereich kann also später Wasser eindringen – auch das Schmutzwasser in der Spülmaschine.
Aus diesem Grund würden wir raten, Steingut-Geschirr nicht in die Spülmaschine zu stellen. Die Flüssigkeit kann nicht mehr gut entweichen bzw. trocknen und es können sich Bakterien darin vermehren.
Auch mikrowellenfest ist Steingut unter Umständen nicht, da die eingedrungene Flüssigkeit zum Zerspringen führen kann.

Steingut oder Steinzeug? – Der Unterschied
In der Töpferei am Wald fertigen wir ausschließlich Geschirr aus Steinzeug. Ähnlich wie Porzellan ist dies eine Unterkategorie der Keramik, die hoch gebrannt und somit wasserdicht ist. Durch hohe Temperaturen oberhalb von ca. 1200 °C beginnt der im Ton enthaltene Quarzanteil zu schmelzen und zu verglasen. Dieser Vorgang nennt sich „sintern“. Dabei schmelzen die Poren des Tons förmlich zu.
Es kann kein Wasser mehr eindringen, selbst wenn das Stück unglasiert ist. Ein Becher aus Steinzeug ist wasserdicht – auch ohne Glasur.
Somit ist Steinzeug-Geschirr spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet. (Wenn du mehr zum Thema „spülmaschinenfest“ wissen möchtest, habe ich darüber bereits einen Blogartikel geschrieben: https://toepferei-am-wald.de/blog/getoepfertes-geschirr-von-hand-spuelen)
Das Brennen der Stücke bei solch hohen Temperaturen erfordert allerdings deutlich mehr Energie und verursacht damit höhere Kosten.
Das Steingut hingegen wurde damals entwickelt, um das kostbare Porzellan nachzuahmen, dabei aber Kosten zu sparen aufgrund der niedrigen Brenntemperatur. Es mag ähnlich aussehen, die Qualität ist jedoch nicht vergleichbar.
Es ist niedrig gebrannt und porös, sodass Wasser eindringen kann, was in der Spülmaschine und Mikrowelle zu Problemen führt.

Unterkategorien von Keramik
Fast jeder Ton, egal ob in Erdfarben oder in weiß, hat eine eigene Sintertemperatur, bei der er irgendwann wasserdicht wird.* Jedoch werden nur Steinzeug und Porzellan bei dieser hohen Temperatur gebrannt!
Wenn die Temperatur nicht erreicht wird, der Ton also porös bleibt, spricht man von „Irdenware“ oder „Steingut“.
| farbiger Ton | weißer Ton | |
| porös | Irdenware | Steingut |
| wasserdicht | Steinzeug | Porzellan |
- Irdenware: naturfarbener, niedrig gebrannter Ton (in der Regel rotbraune Farbe)
- Steingut: weißer Ton, niedrig gebrannt
- Steinzeug: naturfarben, hoch gebrannt (meist cremewei?, grau, sandfarben oder rotbraun)
- Porzellan: weiß, hoch gebrannt
Beachte bitte, dass es hier nur um die Farbe des Tons selber geht. Die Glasuren können immer bunt oder weiß sein, das ist unabhängig davon.
In der Töpferei am Wald verwenden wir beispielsweise zwei verschiedene Steinzeugtone: Der eine ist fast weiß und wird grün glasiert. Der andere Ton ist cremefarben mit dunklen Sprenkeln, dieser Ton wird weiß glasiert.
Qualit?tsunterschiede der Glasuren
Die Glasur muss jeweils zum verwendeten Ton passen (sowohl die Brenntemperatur, als auch die W?rmedehnung m?ssen ?bereinstimmen).
Niedrig gebranntes Geschirr ben?tigt daher auch eine Glasur, die entsprechend schon bei geringeren Temperaturen ausschmilzt. Daher werden mehr sogenannte Flussmittel und h?ufig Blei- oder Bor- Zus?tze verwendet.**
Solche Zus?tze senken jedoch die Best?ndigkeit der Glasur gegen allt?gliche Beanspruchungen, sei es mechanischer (z.B. Abrieb) oder chemischer Art (z.B. Essig).
?Glasuren f?r hohe Brenntemperaturen, die deshalb auch viel SiO2, Al2O3 und MgO enthalten (z.B. die Porzellanglasueren) sind erheblich widerstandsf?higer gegen ritzende oder schneidende Beanspruchung als etwa die viel niedriger gebrannten Steingutglasuren.?***
*es gibt auch Ausnahmen (Massen, die aufgrund ihrer Zusammensetzung niemals dicht werden – h?ufig baukeramische Massen)
** Quelle: Gustav Weiss – Keramik Lexikon – 2. Auflage 1991
*** Quelle: Wolf Matthes – Keramische Glasuren – 6. Auflage 2018

Fazit
Wenn du ?berlegst, dir neues Geschirr zu kaufen, und dir Langlebigkeit, Hygiene und Alltagstauglichkeit (Verwendung in der Sp?lmaschine & Mikrowelle) wichtig sind, dann solltest du dich f?r Geschirr aus Steinzeug oder Porzellan entscheiden.
Sowohl der Ton selber ist in bei Steinzeug und Porzellan wasserdicht, als auch die Glasur deutlich best?ndiger gegen Kratzer und den Kontakt mit s?urehaltigen Lebensmitteln (z.B. Salatdressing).
Wenn es eher ein saisonaler ?Trend? oder ein Deko-St?ck sein soll, dann ist die Qualit?t nicht so entscheidend und du kannst getrost zu Steingut greifen. Steingut sollte jedoch nicht in Geschirrsp?ler oder Mikrowelle verwendet werden und ist auch nicht so kratzfest wie Steinzeug.
Über uns
In der „Töpferei am Wald“ fertigen wir aus überwiegend lokalen Rohstoffen Steinzeug-Geschirr auf der Töpferscheibe an.
Aufgrund der echten Handarbeit ist jedes Stück ein Unikat mit sichtbaren Drehspuren und leicht variierender Form.
Unsere Geschirr-Sets sind spülmaschinenfest, mikrowellengeeignet und nachhaltig.
Da wir auf Qualität höchsten Wert legen, brennen wir unsere Keramik bei Temperaturen von derzeit mindestens 1240 °C (je nach Ton und Glasur).
Einzigartige Tassen, Teller und Schalen kannst du in unserem Onlineshop entdecken. Darüber hinaus sind auch Sonderanfertigungen nach deinen Wünschen möglich!
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Jana