Was ist eine Glasur?
Manchmal höre ich, wenn jemand eines unserer Stücke in der Hand hält:
„Oh, das ist aber eine schöne grüne Lasur!“ oder „Die Tasse ist grün lackiert“.
Und ich muss innerlich schmunzeln. Denn was viele nicht wissen: Es heißt Glasur bzw. glasiert, weil sie tatsächlich aus Glas entsteht.
Sobald man das weiß, vergisst man es nicht mehr.
Eine Glasur ist also nichts anderes als eine dünne Glasschicht, die den Ton bedeckt.
Was macht eine Glasur eigentlich?
Wenn Ton bei hohen Temperaturen dicht gebrannt wird – so wie bei unseren Stücken – ist er bereits sehr stabil und wasserdicht. Eine Glasur ist also nicht zwingend notwendig.
Unsere Becher sind z.B. im unteren Bereich unglasiert. Die Oberfläche bleibt leicht rau, wunderbar griffig und ganz pur in ihrer Ausstrahlung. Auch sie dürfen selbstverständlich in die Spülmaschine.
Welche Vorteile hat eine Glasur?
- Sie macht die Oberfläche glatter (leichter zu reinigen)
- Sie bringt Farbe ins Spiel und kann tolle Effekte hervorbringen (wie zum Beispiel bei unserem Magic Green)
Woraus besteht eine Glasur?
Im Kern besteht jede Glasur aus Quarz (SiO₂) – also aus dem gleichen Grundstoff wie Glas.
Da Quarz alleine einen sehr hohen Schmelzpunkt hat (ca. 1700 °C), werden sogenannte Flussmittel ergänzt. Sie sorgen dafür, dass die Glasur bei unserer Brenntemperatur von je nach Ton 1200 bis 1260 °C schmilzt und sich als feine Glasschicht mit dem Ton verbindet.
Aluminiumoxid gibt der Glasur Stabilität, damit sie im Brand nicht zu flüssig wird und vom Gefäß herunterläuft.
Das ist die Basis – die drei Hauptbestandteile jeder Glasur. Sie werden meist nicht pur zugegeben, sondern in Form von Rohstoffen, in denen sie natürlich vorkommenen.
Für Farbe kommen Metalloxide hinzu:
- Kobaltoxid für Blau
- Eisen für warme Braun- und Rosttöne
- Kupfer für Grün
- Zinn für Weiß
- …
Und dann gibt es noch weitere Rohstoffe, die die Optik der Oberfläche (z.B. Kristallbildung, Mattierung,…) und gleichzeitig immer auch die Eigenschaften (Wärmedehnung, Spannung,…) beeinflussen.
Das Ergebnis lässt sich ansatzweise berechnen, aber nie zu 100 % vorhersagen. Denn im Ofen passiert wahre Magie – Hitze, Sauerstoff und Zusammensetzung reagieren miteinander. Daher ist es sehr spannend, neue Glasuren zu entwickeln und zu testen. Ein wenig Glück gehört auch immer dazu und meistens kommt es anders aus dem Brennofen, als man dachte.
Genau das liebe ich daran.
Wie entstehen unsere Glasuren?
Meine ersten Glasurversuche habe ich im Glasurlabor der Berufsschule während meiner Ausbildung gemacht. Dort gibt es alle Rohstoffe, die man sich nur wünschen kann, sodass ich frei testen konnte.
Dort habe ich begonnen, meine heutigen Glasuren zu entwickeln. Manche Zusätze senken den Schmelzpunkt, andere verursachen hohen Glanz, andere mattieren… doch es ist immer ein Zusammenspiel, welches sich nie zu 100% vorhersagen lässt und ausprobiert werden muss.
Bis ich meine Glasurrezepte schließlich entwickelt hatte, und zwar so, dass sie zuverlässig gleichbleibend gute Ergebnisse erzielen, waren ca. 9-10 Monate vergangen.

Heute mischen wir unsere Glasuren in der Werkstatt selbst an. Wir bestellen die Rohstoffe, wiegen sie ab, mischen, sieben, rühren – bis die Konsistenz genau stimmt.
Aber genau das macht unsere Farben zu dem, was sie sind: einzigartig. Es gibt sie so nirgendwo anders.
Was eine gute Glasur leisten muss
Eine Glasur muss:
- glatt sein, damit Besteck sanft darübergleitet
- säurebeständig und lebensmittelecht sein
- die gleiche Wärmedehnung wie der Ton haben, damit keine Spannungsrisse entstehen
- schön aussehen
Nur wenn all das erfüllt ist, darf sie Teil unserer Kollektion werden.
Alle unsere Glasuren sind laborgeprüft und lebensmittelecht.
Warum wir keine Fertigglasuren verwenden
Natürlich gäbe es die Möglichkeit, fertige Glasuren zu kaufen. Sie funktionieren zuverlässig und sind sofort einsatzbereit.
Doch für mich – und inzwischen für uns als Team – gehört die Entwicklung und das Anmischen der Glasuren zum Kern unserer Arbeit.
So entsteht eine Handschrift, die es kein zweites Mal gibt.
Unsere Farben sind nicht austauschbar. Sie gehören zu unserer Werkstatt – genauso wie die Drehspuren auf den Tellern und der Logostempel, den jedes Stück in der Unterseite trägt.
Unten auf dem Foto sieht man mich bei der Arbeit: Erst rechne ich die Gewichtsanteile aus, dann mixe ich die pulverförmigen Rohstoffe zusammen:

Anschließend wird eine bestimmte Menge Wasser dazugegeben, es wird gesiebt und gründlich gemischt.
Dann sind die Glasuren bereit zum Auftragen.

Unsere Glasuren
Nach vielen Jahren des Verfeinerns sind es vor allem diese Glasuren, die dauerhaft bleiben:
Magic Green
Lebendig, mit immer wieder überraschenden Farbverläufen. Keine Oberfläche gleicht der anderen.

Weiß
Ruhig, klar und zeitlos. Mit feinen Changierungen und dunklen Sprenkeln aus dem Ton – ein warmer, natürlicher Look und perfekt für den Alltag und für alles, was du darauf servierst.

Blau
Leuchtend und tief zugleich. Mit dunklen Strukturen und weichen Übergängen ins Erdige. Besonders auf Tassen entfaltet es seine Wirkung. (Aktuell nur als Sonderanfertigung.)

Weitere Glasuren wie z.B. Mintgrün oder Schwarz entstehen zusätzlich hin und wieder in kleineren Serien für limitierte Kollektionen (melde dich unbedingt zum Newsletter an, wenn du limitierte Kollektionen mitbekommen möchtest).

Auch für größere B2B-Aufträge mischen wir manchmal weitere Glasuren ganz nach Wunsch an.
Nun kennst du dich perfekt aus. Sollten noch Fragen offen sein, schreib mir gerne eine Email!
Vielen Dank fürs Lesen!
Und wenn du noch tiefer in unsere Werkstatt eintauchen möchtest:
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