Glasurfarben in meiner Töpferwerkstatt

Wie oft höre ich, wenn Leute begeistert über meine oder andere Keramikstücke berichten:

"Darauf ist eine tolle blaue Lasur!"...
(herrje, es ist doch kein Holz!)

Oder noch schlimmer: "Lack".

Ich kann es Ihnen nicht übel nehmen, wenn Sie es nicht wissen. Dafür schreibe ich nun einen Artikel darüber :)





Also: Es heißt GLASUR, weil es tatsächlich aus Glas besteht! Weiß man das, ist es leicht zu merken.

Wofür benötigt man überhaupt eine Glasur? Nun, wenn der Ton bei hohen Temperaturen dicht gebrannt wurde, so wie bei meinen Stücken, ist eine Glasur optional.

Diese Becher hier funktionieren zum Beispiel ganz hervorragend ohne Glasur. Sie dürfen auch in die Spülmaschine und liegen sogar (durch die raue Oberfläche) schön griffig in der Hand.

Also, welche Vorteile hat eine Glasur dann überhaupt?

  • Eine glasierte Oberfläche ist natürlich glatter, leichter zu reinigen.
  • Sie bringt Farbe ins Spiel!

 

 


Wissen für Chemie-Nerds: Woraus genau besteht eine Glasur?


Hauptbestandteil ist Quarz (SiO2).
Da Quarz alleine einen zu hohen Schmelzpunkt hat (ca. 1700°C), werden sogenannte Flussmittel zugesetzt, verschiedene Alkalioxide.
Außerdem wird noch Aluminiumoxid benötigt, damit die Glasur im Brand nicht zu flüssig wird und an dem Gefäß herunter läuft.

Das sind die Grundbestandteile jeder Glasur. Wenn man nicht möchte, dass sie transparent ist (sondern farbig), dann kann man verschiedene Metalloxide zur Färbung zusetzen. 

Beispielsweise:
Kupfergrün (kennt man als Grünspan)
Eisenbraun (so wie Rost)
Chromoxid färbt grün
Kobaltoxid blau
Zinnoxid weiß...

Es gibt auch noch viele weitere Bestandteile von Glasuren, die verschiedene Eigenschaften verbessern, z.B. den Fluss, die Viskosität, die chemische Beständigkeit.

Der Schmelzpunkt des Gemischs sollte bei der Dichtbrenntemperatur des Tons liegen, damit sich im Brand die Glasschicht bilden kann.

 

 

Wie entwickelt man eine Glasur?

In diesen Prozess sind viele Experimente und frustrierende Momente involviert.

In der Berufsschule gibt es extra "Glasurlabore" mit allen Inhaltsstoffen, welche man sich wünschen kann. Dort habe ich begonnen, meine heutigen Glasuren zu entwickeln. Manche Zusätze senken den Schmelzpunkt, andere verursachen hohen Glanz, andere mattieren... doch es ist immer ein Zusammenspiel, welches sich nie zu 100% vorhersagen lässt und ausprobiert werden muss.

Bis ich meine Glasurrezepte schließlich entwickelt hatte, und zwar so, dass sie zuverlässig gleichbleibend gute Ergebnisse erzielen, waren ca. 9-10 Monate vergangen.

Unten im Bild sieht man verschiedene Proben im Entwicklungsprozess meiner Glasuren.

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Anforderungen an eine gute Glasur

Die Glasur muss glatt sein, sodass das Besteck beim Essen keine lauten Geräusche macht.

Sie muss außerdem über eine ähnliche Wärmedehnung wie der gebrannte Ton verfügen, sonst kann es bei schneller Erwärmung oder Abkühlung der Keramik zu Spannungsunterschieden kommen (z.B. wenn man etwas aus der heißen Spülmaschine oder dem Backofen herausholt). So entstehen Risse und im Extremfall kann dadurch das Stück springen.

Auch muss die Glasur säurebeständig sein und lebensmittelecht.

Und natürlich sollte sie schön aussehen, dafür macht man sich ja den ganzen Aufwand!

Da helfen nur viele Proben und Tests, bis diese Zielvorgaben erfüllt sind.



Warum selbst entwickelte Glasuren?

Natürlich könnte ich auch einfach beim Keramikbedarf Fertigglasuren kaufen, die schon perfekt ausgetüftelt sind und auch gar nicht sehr teuer. Das machen auch viele Töpfer so.
Doch es entspricht nicht meiner Philosophie. Ich möchte, dass in meiner Werkstatt alles von mir handgemacht ist.-

Dadurch sind die Glasuren und Produkte auch einzigartig: Es gibt sie nirgendwo anders so zu kaufen!

Ich habe die Farben so entwickelt, dass sie mir persönlich am besten gefallen.
Dafür mache ich mir dann auch gerne die Extraarbeit: Rohstoffe bestellen, in großen Tonnen lagern, und natürlich die staubige Arbeit, sie anzurühren.

Unten auf dem Foto sieht man mich bei der Arbeit: Erst rechne ich die Gewichtsanteile aus, dann mixe ich die pulverförmigen Rohstoffe zusammen:

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Anschließend wird eine bestimmte Menge Wasser dazugegeben, es wird gesiebt und gründlich gemischt.

Dann sind die Glasuren bereit zum Auftragen.

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Nun werde ich Ihnen die fertigen Glasuren der Reihe nach vorstellen:


Meine Glasuren

  • Transparent ("braun")
    Unter dieser Glasur erscheint der Ton mittelalterlich braun. Vor dem Glasieren dekoriere ich die Gefäße mit bunten Motiven.
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  • Cremeweiß
    Sie meine Lieblingsglasur, da sie bei genauem Hinsehen beige-bräunliche kleine Muster bilden kann.
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  • Magic Green
    ist bei meinen Kunden die beliebteste Glasur, und das völlig zu Recht. Eine grüne Kristallglasur, die bei hohen Brenntemperaturen Strukturen ausbildet und jedes Mal etwas anders aussieht, aber immer wunderschön.
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  • Blau
    Ebenfalls sehr beliebt: Ein starkes, leuchtendes Blau mit lebhafter Oberfläche.
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Ich habe auch noch weitere Glasuren entwickelt, beispielsweise Türkis und die "Resteglasur". Die verwende ich jedoch seltener, da sie nicht in meinem Standardsortiment sind. Doch für Kundenaufträge glasiere ich auch gerne mal in anderen Farben. Am besten schauen Sie mal hier in die Bildergalerie, wenn Sie sich für weitere Farbmöglichkeiten interessieren.

Nun kennen Sie sich perfekt aus. Sollten noch Fragen offen Sein, dürfen Sie mir gerne eine Email schreiben!
Vielen Dank fürs Lesen!

 

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